2026-02-28
Im 19. Jahrhundert beschleunigten die Entdeckungen in der chemischen Herstellung die Entwicklung von Farbstoffen und Pigmenten. Viele neue Farbmittel kamen auf den Markt und erweiterten auch die Palette für Kunstschaffende erheblich. Doch nicht alle waren stabil. Sie verlieren mit der Zeit an Farbintensität, wie zum Beispiel Alizarin-Krapplack, oder verändern ihren Farbton, wie beispielsweise Chromgelb. Viele Materialien lassen sich anhand ihrer Entdeckung, ersten Produktion, Veränderungen in der Zusammensetzung und ihrer künstlerischen Anwendung zeitlich einordnen. Für Restaurator*innen stellen sich deshalb einige wichtige Fragen: Entspricht der heutige Zustand des Kunstwerks der ursprünglichen künstlerischen Absicht oder ist er das Ergebnis von Alterung? Von wann stammen die Veränderungen am Gemälde, eventuell vom Künstler selbst? Ist das Kunstwerk korrekt datiert?
Historische Sammlungen als Referenz
Historische Pigment- und Farbstoffsammlungen helfen dabei, diese Fragen fundierter zu beantworten. Bei der Analyse von Proben aus Kunstwerken spielen Referenzproben, die in historischen Materialsammlungen überliefert sind, eine wichtige Rolle. In Deutschland gibt es diverse Farbmittelsammlungen, die unter verschiedenen Aspekten erforscht werden. Diese Sammlungen sind nicht nur für Restaurator*innen, sondern auch für Historiker*innen, Materialwissenschaftler*innen und Kunsthistoriker*innen von Interesse. Sie helfen beispielsweise dabei, historische Herstellungsprozesse und Handelswege von Farbstoffen nachzuvollziehen, Materialinnovationen zeitlich einzuordnen oder Veränderungen an Kunstwerken materialtechnologisch zu erklären.
Ausgewählte Sammlungen im Überblick
Eine der größten historischen Farbstoffsammlungen Deutschlands befindet sich an der Hochschule Niederrhein in Krefeld. Die Proben aus den Jahren 1869 bis 1930 sind heute im TextilTechnikum↗ in Mönchengladbach ausgestellt. Marc Holly gibt einen Überblick↗ über die laufenden Forschungs- und Erhaltungsarbeiten an dieser Sammlung.
Die zweitgrößte Sammlung befindet sich an der Technischen Universität Dresden↗. Sie wurde 1880 angelegt und umfasst hauptsächlich Proben synthetischer Farbstoffe sowie Bücher und wissenschaftliche Abhandlungen. In einem kurzen Video auf YouTube↗ können Originalflaschen und -behälter in Möbeln aus dem Jahr 1926 betrachtet werden.
Die kleinere Sammlung des Kölner Instituts für Konservierungswissenschaft↗ enthält unter anderem die Sammlung des Farbstoffspezialisten Helmut Schweppe, die Farben des Künstlers Siegward Sprotte sowie Bücher mit Farbkarten.
Diese Institutionen arbeiten gemeinsam an einem Projekt, das die Analyseergebnisse von Pigment- und Farbstoffproben sowie Farbkarten vergleicht und in einer Datenbank zusammenführt.
Darüber hinaus besitzt das Deutsche Museum↗ in München mehrere Pigmente und Farbstoffe, darunter 119 Proben, die 1914 von der Deutschen Chemischen Gesellschaft gestiftet wurden.
Mit ihrer großen Bandbreite historischer Referenzproben bilden diese Sammlungen eine zentrale Grundlage für die materialtechnologische Forschung und die restauratorische Praxis. Sie helfen dabei, Alterungsprozesse besser zu verstehen, den materiellen Zustand von Kunstwerken fundierter zu beurteilen und gegebenenfalls zur Datierung beizutragen, wodurch sie die restauratorische Entscheidungsfindung unterstützen.
Wie und wo Pigmente und Farben in historischen Malkästen gefunden wurden, wird in folgendem Blogbeitrag umrissen.
Wie und wo Pigmente und Farben in historischen Malkästen gefunden wurden, wird folgendem Blogbeitrag umrissen.
Silke Beisiegel - 21:07 @ Material und Technik